Notfallbegleitung Mansfeld-Südharz

 

Zuhören wenn andere nur noch weghören - Letztes Glied der Rettungskette

Seit April 2006 ist ein Gruppe, bestehend aus freiwilligen Helfern, Mitarbeitern der Hilfsorganisationen und  Krankenhäuser sowie Seelsorgern als Notfallbegleitung im Einsatz, darunter auch 2 Kameraden unserer Wehr.

Unser Team besteht aus derzeit 33  Frauen und Männern, 15 Personen für den Bereich  Sangerhausen und 18 Personen für den Bereich  Mansfelder-Land.

Unser Aufgabengebiet umfasst die Betreuung :

·         Hinterbliebener nach Reanimation

·         bei Tod im häuslichen Bereich in schwierigen Fällen  (z.B. Suizid, besondere Umstände der Reanimation)

·         von Eltern nach dem Tod eines Kindes

·         von Menschen unter akutem seelischen Schock (z.B. bei schweren Unfällen, Feuer, etc.)

·         bei der Überbringung von Todesnachrichten in Zusammenarbeit mit der Polizei

Unsere Einsätze sind für die Betroffenen immer kostenfrei !!!

Wir verstehen unsere Arbeit als vorbeugende Maßnahme bei den Betroffenen gegen mögliche schwere psychische Folgeschäden, die durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst werden können.

Um möglichen Missverständnissen vorzubeugen möchten wir darauf hinweisen, dass wir keine psychiatrischen Notfallpatienten (z.B. suizidgefährdete Personen bzw. Personen unter Alkohol - und Drogeneinfluss) betreuen.

Wir können Tag und Nacht im Rettungsdienstbereich Mansfeld-Südharz durch alle Einsatzkräfte des Rettungsdienstes, der Feuerwehr, der Polizei und durch Hausärzte angefordert werden.

Die Alarmierung erfolgt über die Rettungsleitstelle unter der einheitlichen Notrufnummer 112


SbE

Seit dem 1. April 2006 gibt es im Landkreis Mansfeld - Südharz die Notfallbegleitung & Krisenintervention, welche sich um Angehörige, Opfer oder Hinterbliebene z.  B. nach Verkehrsunfällen oder erfolgloser Reanimation im häuslichen Bereich kümmert. Aber es wurde auch erkannt, dass es sehr wichtig ist, für die Einsatzkräfte selbst, dringend benötigte Hilfsangebote zur Verfügung zu stellen.

Wer von den Einsatzkräften kennt das nicht, dass man zu Einsätzen gerufen wird, bei denen man in schwierigen Situationen erst einmal seinen “Mann“ stehen muss und erst nach Beendigung des Einsatzes, teilweise auch erst nach Stunden oder Tagen, die Bilder und Eindrücke vom Einsatzgeschehen wieder auftauchen und eventuell so manche schlaflose Nacht bereiten können. Seien es Bilder von einem Verkehrsunfall mit eingeklemmten bzw. sogar verstorbenen Personen oder Einsätze mit Kindern.

Auch wenn manche Einsatzkräfte dies nicht wahrhaben wollen, aber es gibt Kameraden die solche Erfahrungen bereits gemacht haben, sich jedoch nicht getraut haben, Ihre Gefühle und Gedanken jemandem anzuvertrauen. Denn leider kann es immer noch passieren, dass man dann als “ Weichei ” oder sogar als nicht einsatzfähig abgestempelt wird. Dies wären jedoch die falschen Signale, die man ihm bzw. seinen Kameraden vermittelt.

Deshalb haben sich 5 Teammitglieder der Notfallbegleitung & Krisenintervention, dieser schwierigen Aufgabe gestellt und haben dafür eine Zusatzausbildung abgeschlossen. So wurde innerhalb des Notfallbegleitungsteams ein Team (SbE-Team =  Stressbearbeitung nach belastenden Ereignissen ) aufgebaut, welches speziell für Einsatzkräfte zur Verfügung steht. Diese  Teammitglieder haben eine Ausbildung nach amerikanischem Vorbild und Lehrstoff  (CISM = Critical Incident Stress Management) absolviert. Damit möchte das Team der Notfallbegleitung & Krisenintervention endlich die allerletzte Lücke der Rettungskette geschlossen haben.

Wir hoffen und würden uns wünschen, dass die Einsatzkräfte ihrerseits den ersten Schritt wagen und dieses Team in Anspruch nehmen, wann immer es erforderlich ist bzw. scheint.  Dies kann auch im kleinen Rahmen stattfinden und was noch wichtiger ist, es passiert alles im Rahmen der Schweigepflicht.

Das Team der Notfallbegleitung & Krisenintervention wünscht sich eine allzeit gute und enge Zusammenarbeit mit allen Einsatzkräften, ob Feuerwehr, Rettungsdienst, THW oder Polizei.

Wir wünschen allen Einsatzkräften, das Sie jederzeit gesund und wohlbehalten von ihren Einsätzen zurückkehren.!!



Für Fragen, Anregungen und Kontakte, stehen wir Ihnen jederzeit sehr gerne zur Verfügung.

Telefon: 0160/2776220 oder 0160/2756275 oder unter Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



Erkennen und Handeln



Bei der Arbeit von Feuerwehren und Rettungsdienst sind die Haupt- und ehrenamtlichen Helfer immer wieder mit dem Tod und Verletzungen von Menschen konfrontiert und zum Teil selbst lebensbedrohlichen Situationen ausgesetzt.

Das Miterleben derart extremer Situationen, wie auch die Verantwortung für das Leben anderer, kann eine erhebliche seelische Belastung für die Einsatzkräfte bedeuten. Nicht nur die unmittelbar Betroffenen von Unfällen, Katastrophen und Gewalt können seelische Belastungsreaktionen entwickeln, sondern auch deren Helfer.

Häufig wird nach solchen Einsätzen von einer Posttraumatischen Belastungsstörung gesprochen. Das bedeutet, dass die Kameraden nach dem als belastend empfundenen Einsatz eine länger anhaltende körperliche Reaktion haben.

Diese körperlichen Reaktionen können zum Beispiel darin bestehen, dass das Ereignis immer wieder gedanklich erlebt wird, dass Bilder oder Geräusche immer wieder an den Einsatz erinnern. Das kann sich aber auch in Schlafstörungen, wie Alpträume äußern.

War die Belastung sehr groß, dann kann es auch zu dem Versuch kommen, alles, was an den Einsatz erinnern könnte, zu vermeiden. So werden zum Beispiel Orte, Straßen oder auch Menschen gemieden, die mit dem Einsatz in Verbindung stehen. Oft leben Einsatzkräfte auch noch lange in einer inneren Unruhe, einer ständigen Alarmbereitschaft des Körpers, die unter Umständen zu Gereiztheit, Zorn und Wut führen kann.

Die meisten Kameraden erledigen fast alle Einsätze ohne große seelische Schwierigkeiten. Selbst Einsätze bei großen Bränden oder schweren Unfällen führen nicht automatisch zu einer seelischen Belastung.

Es gibt aber auch Einsätze, bei denen die normale Bewältigung nicht funktioniert, wo die Ereignisse jenseits der üblichen Erfahrung liegen und die eine deutlich belastende Auswirkung auf fast jeden Menschen haben. Wie zum Beispiel:

- Einsätze mit mehreren Verletzten oder Toten,

- persönliche Bekannte werden verletzt oder getötet

- die schwere Verletzung oder der Tod eines Kindes

- die Verletzung oder der Tod eines Kameraden

- die eigene körperliche Verletzung oder Lebensgefahr

- das nicht helfen können



In solchen Fällen ist es möglich, dass sich eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt. Die Reaktionen, die entstehen, sind aber ganz normale Reaktionen eines gesunden Menschen auf ein unnormales Ereignis. Sie bedeuten nicht, dass man nicht für Feuerwehrarbeit geeignet ist oder nicht richtig darauf reagiert hat.

Erkennen kann man sie teilweise schon während des Einsatzes, wenn sich das Verhalten der Gruppe oder auch einzelner Kameraden deutlich ändert. Besonders sollte man auf bestimmte Anzeichen achten, wie zum Beispiel:

- auffällig verändertes Verhalten

- Handlungsunfähigkeit

- Unkonzentriertheit

- Wut, Trauer, Depressionen

- Distanziertheit, Schweigen



In den meisten Fällen vergehen diese Anzeichen in einem Zeitraum von wenigen Tagen von alleine. Es gibt aber auch Fälle, in denen ein einzelner Kamerad sich selber helfen will, es aber nicht mehr kann.

Hier sind Einsatzleiter, Gruppenführer aber auch die Kameraden und Kollegen gefordert, solche Anzeichen zu erkennen und richtig zu handeln.

Man sollte dann den Kameraden oder Kollegen das Gefühl geben, dass er auf Verständnis und Hilfe bauen kann.

Deshalb sollte es zur Routine werden, dass Einsatzleiter und Gruppenführer, egal ob von der Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst, nach schweren oder größeren Einsätzen ihre Kameraden oder Kollegen versammeln und ein Gespräch in gemütlicher Runde mit dem Team der Einsatznachsorge Mansfeld - Südharz führen - selbstverständlich im Rahmen der Schweigepflicht.

Deshalb nochmals ein Appell an alle Führungskräfte: Nehmen Sie dieses Angebot der Einsatznachsorge wahr!

Es sollten die Zeiten vorbei sein, in denen Kameraden oder Kollegen belächelt bzw. als einsatzunfähig erklärt werden, wenn Sie Anzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung zeigen.

Um einer Posttraumatischen Belastungsstörung vorzubeugen, ist es hilfreich, sich schon vor den Einsätzen mit dem Thema Stress und Stressbewältigung zu beschäftigen.

Wenn sie als Einsatzkraft einen belastenden Einsatz hatten, ist es sinnvoll, mit dem Team der Einsatznachsorge Kontakt aufzunehmen. Von Fall zu Fall werden dann individuelle Maßnahmen besprochen.



Das Nachsorgeteam der Notfallbegleitung des Landkreises Mansfeld - Südharz



Links:  www.sbe-ev.de


www.fachverband-nkm.de

(Verfasst von Thomas Messerschmidt und Dirk Kuhn)